Osterlenkpause 2025

Osteridylle am Rastplatz? Oder vier Tage Langeweile?

Sie stehen wieder und warten! Von Karfreitag bis Ostermontag stehen viele LKW-Fahrer/Innen für vier Tage am Rastplatz. 

Keine Osteridylle im Kreis der Familie, keine Besuche bei betagten Eltern oder Besuche von Kindern und Enkelkindern, keine Freunde treffen und gemeinsam das Osterfest feiern.
Der Alltag von Berufskraftfahrer/Innen ist hart. Teilhabe am Vereinsleben, Familientreffen regelmäßiger Zugang zu medizinischer Versorgung – Fehlanzeige.
Das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt sucht die Fernfahrer mehrmals im Jahr seit 2018 am Rastplatz Hegau auf, kommt mit ihnen ins Gespräch und versucht ein bisschen etwas von deren Lebenssituation zu verstehen, spricht Dank und Anerkennung für die wertvolle Arbeit aus. 
Vladimir, ein Fahrer aus Rumänien, sagte uns:
„Ich fahre seit über 30 Jahren LKW. Ich bin in ganz Europa unterwegs, aber noch nie hat sich irgendjemand bei mir für meine Arbeit bedankt. Wir sind die Unsichtbaren, Mittel zum Zweck und die Bedingungen haben sich in den letzten Jahren für uns Fahrer weiterhin verschlechtert. Die Straßen sind voll, lange Staus und viel zu wenig LKW-Parkplätze sind unser Alltag. Verlasse ich meinen LKW, um in einkaufen zu gehen, laufe ich Gefahr, dass mein Fahrzeuge aufgebrochen und Ware gestohlen wurde.“
Er erzählte uns außerdem davon, dass er seine Familie seit über drei Monaten nicht mehr gesehen hat. Seine Schmerzen im Rücken bekämpft er mit Tabletten, seine Sehnsucht nach seiner Familie kompensiert er manchmal mit Alkohol. Er fragte uns: „Wie malt ein Kind ein Auto?“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Immer ohne Fahrer. Und so fühle ich mich auch.“
Wir sind angewiesen auf diese Menschen, die für die Industrie Just-in-Time Waren liefern, die Gemüse und Obst aus südlichen Ländern für unsere Supermärkte beschaffen. Aber, von Wertschätzung leider keine Spur.
Betriebsseelsorgerin Heike Gotzmann, Dekan Matthias Zimmermann, Fernfahrer und Priester Klaus Käfer und viele ehrenamtlich Mitwirkende setzen dem etwas entgegen und versuchen den Fahrern die Feiertage etwas zu versüßen. Das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt verteilte am Karsamstag Osterkörbchen mit Gebäck, Schokolade und gefärbten Eiern. Außerdem noch Duschgutscheine, denn Duschen und Toilettengänge sind für die Fahrer teuer, an manchen Raststätten muss der Stundenlohn hierfür investiert werden…
Damit die Kommunikation klappt, sind wir immer auch auf die Unterstützung von Dolmetscher/Innen mit osteuropäischen Sprachkenntnissen angewiesen. Sie möchten gerne einmal bei einer Lenkpause mitwirken oder die Lenkpause finanziell unterstützen? Melden Sie sich gerne. Wir freuen uns auf neue Gesichter.